Wenn in Deutschland Blutspenden knapp werden…

Posted on: Januar 30, 2026 Posted by: Simone Nopens Comments: 0

…könnte das dramatische Folgen haben. Mitte Januar war die Lage kritisch. Ein Szenario, dass jederzeit möglich ist. Marcel Fürstenau hatte zuletzt vor 32 Jahren Blut gespendet. Jetzt tat er es wieder.

Blutkonserven befinden sich in in transparenten Kunststoffbeuteln mit einem Fassungsvermögen von einem halben Liter. Auf angeklebten weißen Zetteln befinden sich medizinische Angaben zum Inhalt.
Gespendetes Blut ist überall auf der Welt unverzichtbar für Operationen und Krebsbehandlungen

Blut rettet Leben – nach Unfällen, bei Operationen oder der Behandlung schwerster Krankheiten wie Krebs. Dafür werden in Deutschland nach Angaben des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) täglich bis zu 15.000 Spenden benötigt. Die Vorräte sollen für mindestens vier Tage reichen, um in Notfällen jederzeit überall helfen zu können. Doch immer wieder kommt es zu Engpässen.
Warum schrumpften die Blutvorräte?

Mitte Januar gab es nur noch Vorräte für anderthalb Tage. Die Ursachen waren vielfältig: Die Feiertage an Weihnachten und Neujahr, Wintereinbruch mit spiegelglatten Straßen und eine in der kalten Jahreszeit übliche Krankheitswelle mit vielen Grippe- und Influenzafällen. Deshalb konnten oder durften sehr viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen kein Blut spenden.
Ein Blutspenderpass des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus den 1980er Jahren. In dem roten Schutzumschlag aus Plastik lässt sich der gelbe, faltbare Pass mit persönlichen Angaben des Spenders, darunter die Blutgruppe und das Geburtsdatum, einlegen. Ein Blutspenderpass des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus den 1980er Jahren. In dem roten Schutzumschlag aus Plastik lässt sich der gelbe, faltbare Pass mit persönlichen Angaben des Spenders, darunter die Blutgruppe und das Geburtsdatum, einlegen.

Das DRK schlug Alarm und löste bei mir den entscheidenden Impuls aus. Letztmals hatte ich mich 1994 anzapfen lassen, also vor 32 Jahren. Allerdings dachte ich zunächst, längst zu alt dafür zu sein. Aber die Altersgrenze ist inzwischen abgeschafft worden.
Ältere Menschen sind heute oft länger fit. Der Grund dafür ist erfreulich: Ältere Menschen sind heutzutage oft viel fitter als in früheren Zeiten. “Warum sollten die dann aufhören, Blut zu spenden?”, fragt mich die Ärztin Sieglinde Ristau im DRK-Blutspendezentrum, das sich im Berliner Shopping-Center Alexa befindet. Sie bereitet mich in einem kurzen Gespräch auf mein Comeback als Spender vor.

Über dem Eingang des Blutspendezentrums in einem Berliner Shopping-Center steht “Herzlich willkommen”. Links daneben steht auf einer Wand Informationen zu einem Gesundheits-Check. Darüber der Appell “Spende Blut beim Roten Kreuz”. Über dem Eingang des Blutspendezentrums in einem Berliner Shopping-Center steht “Herzlich willkommen”. Links daneben steht auf einer Wand Informationen zu einem Gesundheits-Check. Darüber der Appell “Spende Blut beim Roten Kreuz”. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt überall Blutspendezentren, in Berlin auch in einem Shopping-Center.

Blutspenden habe für gesunde Menschen keine Nachteile, sondern nur Vorteile, betont die erfahrene Medizinerin. Ich mache mich schlau und lerne: In zahlreichen Studien wurden positive Effekte unter anderem für den Blutdruck und das Herz nachgewiesen. Abgesehen davon ist es – ganz unwissenschaftlich – ein gutes Gefühl, anderen Menschen mit seinem Blut helfen zu können. “Es kommen leider zu wenige junge Spender”.

Niemand muss also Angst vor negativen Folgen haben. Sieglinde Ristau hat ganz andere Sorgen: “Es kommen leider zu wenige junge Spender.” Und wegen der geburtenschwachen Jahrgänge seit 1990 könnte der fehlende Nachwuchs über kurz oder lang zum Problem werden. “Deshalb sind wir froh über Ältere, die oft zu den treuesten Spendern gehören”, sagt die Ärztin.
Mit einem elektronischen Gerät, das wie eine Fernbedienung aussieht, misst eine auf dem Foto nicht zu sehende Frau an der Stirn eines Mannes dessen Körpertemperatur. Mit einem elektronischen Gerät, das wie eine Fernbedienung aussieht, misst eine auf dem Foto nicht zu sehende Frau an der Stirn eines Mannes dessen Körpertemperatur.

Ich bin jetzt auch wieder dabei und gehe ins Nebenzimmer, wo mich die Leiterin des DRK-Blutspendezentrums begrüßt und bittet, auf einer verstellbaren Liege Platz zu nehmen. Nach ein paar kurzen Erläuterungen über das Procedere steckt Schwester Christina behutsam die Nadel in eine kräftige blaue Vene meines rechten Arms. Den Piks spüre ich kaum und mein anfangs langsam fließendes Blut bahnt sich problemlos seinen Weg in einen durchsichtigen Kunststoffbeutel.

Nach wenigen Minuten ist ein halber Liter Blut abgefüllt. Mir geht es bestens, ein Kollege von Schwester Christina reicht mir ein Multivitamin-Getränk. Trotzdem soll ich noch ein Weilchen liegen bleiben, um mich zu erholen. Denn im Moment habe ich etwa ein Zehntel weniger Blut in meinem Körper; insgesamt sind es bei mir normalerweise zwischen fünf und sechs Liter.
Eine Frau in einer roten Jacke hält einen Kunststoffbeutel mit Blut des neben ihr auf einer Liege befindlichen Spenders in der Hand. In einer Vene am rechten Arm des Mannes steckt noch die Nadel, mit der das Blut abgezapft wurde. Eine Frau in einer roten Jacke hält einen Kunststoffbeutel mit Blut des neben ihr auf einer Liege befindlichen Spenders in der Hand. In einer Vene am rechten Arm des Mannes steckt noch die Nadel, mit der das Blut abgezapft wurde.

In ein paar Tagen wird der vorübergehende und kontrollierte Verlust kompensiert sein, denn neues Blut bildet sich schnell. Und weil das ganz frisch ist, tut das meiner Gesundheit zusätzlich gut, wie ich von Schwester Christina erfahre.
Der Engpass ist überwunden – aber wie lange?

Zum Abschied schenkt man mir einen zweckgebundenen Zehn-Euro-Gutschein, für den ich mir im Shopping-Center etwas zu essen kaufen kann. Bei dieser Gelegenheit frage ich Kerstin Schweiger, ob der Engpass an lebensrettenden Blutreserven inzwischen behoben sei? Die Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, zu dem Berlin gehört, kann Entwarnung geben: “Das ist in den letzten zehn Tagen sehr gut gelungen.”

Aber sie fügt sofort hinzu: “Trotzdem müssen wir weiterhin Tag für Tag schauen, denn der große Knackpunkt ist die kurze Haltbarkeit der Blutpräparate, die aus dem Spenderblut gewonnen werden.” Sie beträgt höchstens sechs Wochen, kann aber auch schon nach vier Tagen enden.
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Kerstin Schweiger erklärt mir die Unterschiede und damit zugleich, was mit meinem Blut jetzt passiert. Demnach wird es in drei Bestandteile getrennt. Im medizinischen Fachvokabular heißen sie Erythrozyten, Plasma und Thrombozyten. Mit den umgangssprachlichen Begriffen kann ich, offen gesagt, mehr anfangen: rote Blutkörperchen, Blutplasma und -plättchen.

Während die roten Blutkörperchen 42 Tage eingesetzt werden können, sind die in der Krebsbehandlung dringend benötigten Plättchen nur vier Tage verwendbar. “Deswegen ist es wichtig, dass in den kommenden Wochen alle Termine gut gebucht sind, damit hier keine Lücken in der Versorgung der Patienten entstehen”, hofft Kerstin Schweiger. Auch wenn sich die Lage nach dem Hilferuf des DRK etwas entspannt hat, könnte schnell der nächste Engpass entstehen. Denn noch immer herrscht in weiten Teilen Deutschlands ein strenger Winter mit Minustemperaturen, in dem sich weiterhin viele Menschen erkälten oder einen Infekt einhandeln. Außerdem beginnen Anfang Februar in Berlin und im benachbarten Bundesland Brandenburg die Winterferien, in denen viele regelmäßige Blutspenderinnen und -spender verreisen. Beim Blutspendedienst sind solche Zeiten alles andere als beliebt.

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